| 1st African Taekwon-Do Cup ITF in Äthiopien |
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Erneut hatte das ITF-Board of Directors entschieden, für ein TKD- und Kampfrichterseminar in Addis Ababa, der Hauptstadt Äthiopiens, erfahrene Trainer zu entsenden: Großmeister Kim-Lan Ung (Mitglied des Technischen Komitees der ITF und seit März des Jahres Träger des 9. Dangrades) aus Deutschland, Meister Coos van den Heuvel (Chairman des Turnier-Organisationskomitees der ITF / 7. Dan) aus den Niederlanden und Meister Paul Weiler (Senior Vice-President der ITF und zuständiger Beauftragter der ITF für den Afrikanischen Kontinent / 8. Dan) aus Deutschland. Die Seminare wurden von Dienstag, den 09.08.2011 bis Freitag, den 12.08.2011 abgehalten und beinhalteten nahezu alle Facetten des TKD: Grundschule, Tul, Sambo-Ibo-Ilbo Matsogi, Freikampftraining, Hosinsul, Philosophie des TKD, Kampfrichterausbildung. Auf Anregung von Paul Weiler sollte erstmals in der Geschichte des Äthiopischen Verbandes eine Meisterschaft den Abschluss bilden, und zwar am Samstag, den 13.08.2011 für die Senioren und am Sonntag, den 14.08.0211 für die Junioren. Die Namensgebung des Turniers lautete: 1st African Taekwon-Do Cup ITF. Das Turnier sollte einen „Probelauf“ für zukünftige Veranstaltungen dieser Art auf dem Afrikanischen Kontinent darstellen. Initiative aus Deutschland Als im März des Jahres die ITF-NW Mitgliederversammlung entschied, die Summe von 2000,00 € für den Aufbau des TKD in Äthiopien zu spenden, kam damit ein „Stein ins Rollen“, dessen Bewegung noch nicht zu Ende ist. Die Initiative von Paul Weiler führte dazu, dass die kontinentalen ITF Verbände, AETF (Europa) und Asien und Ozeanien, sowie der Italienische TKD-Verband (FITAE) Geld spendeten. Aber auch Einzelpersonen spendeten: Sponsorensuche für den Transport ist nahezu unmöglich Die in der Vergangenheit (z.B. WM 2005 in Dortmund) gemachten Erfahrungen bestätigten sich erneut: Egal ob es sich um namhafte Flug- oder Transportgesellschaften handelte, die entweder angeschrieben oder über Beziehungen kontaktiert wurden, war niemand bereit, auch nur einen Finger krumm zu machen. Oftmals bekam man noch nicht einmal eine Antwort. Auch Anfragen bei gemeinnützigen Organisationen verliefen insofern ohne Ergebnis, als dass diese ähnliche Erfahrungen gemacht haben (z.B. die Äthiopienstiftung „Menschen für Menschen“ des ehemaligen Deutschen Schauspielers Karl-Heinz Böhm). Ein Retter in der Not
Die Transportfirma, mit denen die Firma Budoland schon viele Jahre erfolgreich arbeitete, übernahm den Auftrag und räumte einen Sonderpreis ein. Die Geheimnisse des internationalen Lufttransportes Natürlich war die Neugierde groß, zu erfahren, ob die Materialien fristgerecht in Addis Ababa eingetroffen waren. Aus diesem Grunde stand Paul Weiler in ständigem Mail-Kontakt mit den Vertretern des Äthiopischen Taekwon-Do Verbandes (EITA). Die Enttäuschung war riesengroß, als am 19.07.2011 die erste Rückmeldung von dort eintraf: kein Transport angekommen Erste Nachfragen bei der Firma Budoland, die sich wiederum mit der Transportgesellschaft in Verbindung setzen musste, um Informationen zu erhalten, ergaben, dass auch diese zunächst bei der Fluggesellschaft Erkundungen einholen musste. So zögerte sich alles Tageweise hinaus und die Äthiopier meldeten fast täglich einen negativen Bescheid. Endlich, am 23.07.2011 kam die Meldung aus Amsterdam, dass die Saudi-Arabian Airlines mehrere sogenannte „Off-Loads“ hatte und dass die Sendung nunmehr am 24.07.2011 von Amsterdam nach Jeddah (Saudi-Arabien) und von dort nach Addis Ababa transportiert werden sollte. Die Meldung aus Addis war aber identisch mit der zuvor beschriebenen: kein Transport angekommen Eine komplette Warensendung (Spende) verschwindet Alarmiert durch diese erneute schlechte Nachricht wurden die Nachfragen an die Saudi-Arabian Airlines erhöht. Paul Weiler informierte das Transportunternehmen, es solle mit der Maßgabe drohen, dass die Deutsche Presse informiert würde und es würde gegebenenfalls ein Rechtsanwalt eingeschaltet. Diese Nachricht wurde an den zuständigen Sachbearbeiter der Saudi-Arabian Airlines geschickt. Dieser informierte alle zuständigen Flughäfen, aber es kam nur die Meldung, dass die Sendung von Amsterdam abgeschickt worden, aber in Jeddah niemals angekommen sei. Wenigstens kam eine Meldung und es herrschte nicht wie zuvor „Schweigen im Walde“. Demnach ist eine komplette Warensendung eines Gesamtvolumens von 7,5m³ (300 Matten, 100 Doboks einschließlich Gürtel und 18 Paar Safeties) verschwunden! Dies kann man nicht glauben, da die heutigen Transportcontainer u.a. mit GPS ausgestattet sind. Laut internationalem Flugrecht haben allerdings die Fluggesellschaften 90 Tage Zeit, verschwundene Sendungen wieder zu beschaffen, ansonsten müssen sie den Schaden ersetzen. Diese Tatsache stellte keinen Trost dar, zumal der Termin für die Meisterschaft in Addis Ababa unaufhaltsam näher rückte. „Und wenn Du glaubst es geht nicht mehr… …. kommt von irgendwo ein Lichtlein her“. Dieses Mal in Form von Herrn Kruckenhauser. Der telefonische und Mail-Kontakt zwischen der Firma Budoland und Paul Weiler erreichte Anfang August seinen Höhepunkt. Herr Peter Kruckenhauser (Budoland) entschied nach Rücksprache mit Paul Weiler am 03.08.2011, die Matten und die Safeties erneut zu senden, und zwar per Direktflug mit der Ethiopian Airlines von Frankfurt nach Addis Ababa. Innerhalb eines Vormittages organisierte er alles Nötige und brachte die Sendung am 04.08.2011 auf den Weg. Der Flug war Sonntag, der 07.08.2011 und sollte abends in Addis Ababa ankommen. An dieser Stelle sei die Bemerkung erlaubt, dass die Firma Budoland, vertreten durch Herrn Peter Kruckenhauser, seit ca. 10 Jahren bereits ein äußerst fairer Geschäftspartner und Sponsor der ITF-Deutschland ist. Herr Kruckenhauser hat mit seiner obigen Entscheidung aber alles in positivem Sinne getoppt und wahre Größe gezeigt. Er ist wohlwissend auch ein finanzielles Risiko eingegangen, denn die Kosten für den zweiten Transport entstehen auf jeden Fall, egal, ob die erste Sendung wieder auftaucht oder nicht. Sein Verhalten ist insofern besonders hervorzuheben, als dass unsere heutige Gesellschaft eher von Profitgier geprägt ist. Als Paul Weiler sich in aller Form für seine Hilfe bedankte, antwortete er: „Wir haben etwas versprochen. Ich mag es zudem nicht, wenn ich etwas zusage und es dann nicht eingehalten wird. Außerdem sind wir Kampfkünstler (DO)!“ Seine großartige Geste verdient, dass man davor „den Hut zieht“, was ich (Paul Weiler) hiermit erneut und mit allem Respekt tue. Eine schlechte Nachricht folgt der anderen Einen Tag vor der Abreise nach Addis Ababa erreichte Paul Weiler eine weitere schlechte Nachricht. Meister Coos van den Heuvel aus den Niederlanden musste seine Teilnahme absagen, da seine Frau erkrankt war und an nicht erklärbaren Schmerzen litt. Verschiedene Untersuchungen hatten auch noch kein eindeutiges Bild für die Ursachen ergeben, so dass die Absage nachvollziehbar und verständlich war. Am selben Tag trafen sich Paul Weiler und Meister Harry Vones um leihweise Material für das Turnier in Addis Ababa zu übergeben bzw. zu übernehmen. Dabei handelte es sich um die Klapptafeln (Verwarnungen/Minuspunkte und Tultafeln, sowie rote und blaue Wimpel). Der ITF-D Vorstand hatte in einer Blitzentscheidung festgestellt, dass dieses Material (Ausnahme Wimpel) durch den Gebrauch des elektronischen Systems in Deutschland nicht mehr von Nöten sei und im Lager nur vor sich hingammelt und spendete es für das Turnier in Äthiopien. Auch an dieser Stelle ein herzliches „Danke schön“ an den ITF-D Vorstand. Die zweite Sendung erreicht Addis Ababa termingerecht Am Montag, den 08.08.2011 flogen GM Kim-Lan Ung und Meister Paul Weiler von Düsseldorf mit Turkish Airlines zunächst nach Istanbul und von dort nach Addis Ababa. Bei der Ankunft in Addis am Dienstag um 00:15 Uhr und der Begrüßung durch den kompletten EITA Vorstand war natürlich die erste Frage: „Ist die Spende angekommen?“. Endlich kam die Bestätigung und damit die Gewissheit, dass das Material da sei. Wenn man nun glaubte, alles sei ok war man aber auf dem völlig falschen Weg. Wie uns der Vorstand berichtete, sollten nunmehr Steuern für die Sendung bezahlt werden, und zwar in einer Höhe von ca. 2000,00 $ US. Die Begründung des Tax-Office lautete, dass für die zweite Sendung eine andere „Airway Bill No.“ vorgelegt worden sei, und da man die erste Sendung ohne Steuern hätte abholen können, müssten nunmehr Steuern entrichtet werden. Es schien sich alles gegen uns verschworen zu haben. Riesenüberraschung am ersten Seminartag
Ein Weg von Pontius nach Pilatus
Die Matten werden freigegeben Für GM Ung und Paul Weiler begann der zweite Seminartag (Mittwoch, den 10.08.2011) mit der Fortführung des Programms (Tul, Hosinsul, Kampftraining), während der Vorstand erneut seinen steinigen Weg zum Flughafen antrat. Abends kam dann die teilerlösende Nachricht: Die Matten sind freigegeben worden und werden am Donnerstag früh in der Halle sein – sogar ohne Zahlung von Steuern. Die Begründung des Tax-Office lautete verblüffend einfach: da die Matten öfters benutzt werden, müssen keine Steuern gezahlt werden. Ein positiver Faktor für diese Entscheidung ist wohl auch die Tatsache, dass ein Mitglied des Taekwon-Do Verbandes beim Tax-Office arbeitet. Und siehe da, man glaubt es kaum Am Donnerstag, den 11.08.2011 befanden sich 300 m² Matten fein säuberlich auf Euro-Paletten gestapelt in der Halle. GM Ung und Paul Weiler mussten sofort dorthin, um sie zu berühren und um festzustellen, ob sie keiner Fata-Morgana aufgesessen waren. Nein, sie waren tatsächlich dort. Die eintretende Erleichterung mischte sich aber gleich mit der Frage, ob wir die Safeties denn auch schnellstens bekommen würden. Zudem wurde Plan B besprochen, nötigenfalls Safeties im Sporthandel zu kaufen. Die Entscheidung sollte abends getroffen werden, nachdem die Vorstandsmitglieder von ihrem täglichen Gang zum Flughafen zurück waren.
Auch die Safeties treffen rechtzeitig ein Am Freitag, den 12.08.2011, dem letzten Seminartag, sind die Safeties abends endlich da und somit ist die Ausrüstung für den 1. African TKD-CUP ITF komplett. Allerdings hat das Tax-Office 600,00 $ US Steuern mit der Begründung verlangt, dass die Safeties nur einmal benutzt werden können. Eine nicht nachzuvollziehende Begründung, zumal es sich um eine Spende handelt. Wer die böse Vermutung hat, dass sich dort jemand auch privat Geld in die Tasche gesteckt hat, steht sicherlich nicht alleine da. Organisatorisch bestand dieser Tag aus dem Seminarteil Sambo-, Ibo- und Ilbo Matsogi, der Wiederholung der wichtigsten Kampfrichterbewertungen und Zeichen, dem Coaches-Meeting, dem Referees-Meeting und einer Dan-Prüfung für Kandidaten zum III. und IV. Dan. Die Kandidaten (6 Prüflinge) zum IV. Dan mussten alle zurückgeschickt werden, da sie die Vorbereitungszeit erst im Januar 2012 erfüllt haben. Die Prüflinge zum III. Dan (ebenfalls 6 Kandidaten) waren nicht alle pünktlich. Einer kam ca. 15 Minuten zu spät und wurde noch akzeptiert, während ein Prüfling erst nach über einer Stunde erschien, aber nicht mehr angenommen wurde. Von den 5 Prüflingen haben vier nicht bestanden und müssen die Prüfung wiederholen. Das ursprünglich für den Freitagabend vorgesehene Herrichten der Halle musste auf den frühen Samstag verschoben werden, da die Halle noch für verschiedene Nutzungen zur Verfügung stand.
427 Starterinnen und Starter aus 36 Vereinen beim 1st African TKD Cup ITF ! Samstag, der 13.08.2011 wurde zur ersten „Nagelprobe“ für das neue Equipment. Nach dem Aufbau am frühen Morgen hätte das Turnier, zwar mit leichter Verspätung, aber dennoch direkt starten können. Es fehlten allerdings noch einige Kleinigkeiten und der verspätete Beginn wurde mit einer verblüffenden Erklärung erläutert: Hier findet keine Veranstaltung exakt zum angegebenen Termin statt; deswegen kommen die Leute auch 30 Minuten oder sogar eine Stunde später. Was sagt man dazu?
Sonntag, der 14.08.2011 – 2. Wettkampftag
Es war nicht mehr nötig, wie noch am Tag zuvor, Wettkämpfer oder Coaches mehrfach über die Hallenansage aufrufen, suchen und auf sie warten zu müssen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der jeweiligen Wettkampfklassen hielten sich nunmehr an die Abmachungen und standen an den einzelnen Wettkampfflächen direkt zur Verfügung.
U.a. dadurch konnte der errechnete Zeitrahmen gut eingehalten werden. Aber auch die Disziplin der Wettkämpfer im Gesamten und der Kampfrichter sind sehr lobend zu erwähnen. Die Meisterschaft wurde insgesamt ein voller Erfolg und richtungsweisend für die Zukunft. Dies wurde durch etliche anwesende Zuschauer bestätigt (z.B.: Sports-Commissioner der Stadt Addis Ababa, Trainer der Chang Ung Gruppe, WTF und Karate Trainer). Es würde nicht wundern, wenn in Kürze neue Mitglieder gewonnen werden könnten. Resumee:
Weitere Schritte werden folgen. Dies ist hauptsächlich durch die bereits weiter oben erwähnten Spender und Spenden möglich geworden. Dazu nochmals den allergrößten Respekt und Dank. Text und Fotos: Paul Weiler
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